Der Anfang
#41
Für ihr Spielchen war Munin glücklicherweise sofort zu haben. Mit leuchtenden Augen beobachtete Saju, wie es dem Welpen nach ein paar Versuchen gelang, ein Steinchen auf seinen Pfotenrücken zu rollen, und es mit leichtem Schwung genau Zethmols Rute traf. Sayus Kopf ruckte hoch und sie blickte scheinbar teilnahmslos durch die Gegend, bevor sie verschwörerisch grinsend wieder zu Munin hinabsah. So bemerkte die junge Fähe nicht, dass der Hüne ihr Spiel bereits jetzt schon fast durchschaut hatte. Sie zwinkerte dem Kleinen kurz zu, bevor sie erneut ein Steinchen vom Boden über ihre Pfote rollen ließ. Sie hüpfte kurz auf drei Beinen, bis sie das Kieselchen da hatte, wie sie es haben wollte und grinste Munin kurz zu, bevor sie mit den Augen ihr Ziel anpeilte und das Steinchen fliegen ließ. Doch genau in dem Moment, in dem sie den Abschuss wagte, rutschte ihr Standbein auf einem lockeren Steinchen aus und brachte sie aus dem Gleichgewicht. Sie fing sich tippelnd wieder und konnte nur hilflos zusehen, wie das Steinchen haarscharf an Zethmols Rücken vorbei flog und ihn genau im Nacken traf.
Sayu sog zischend die Luft ein, betend, dass der Pelz des Rüden am Nacken dicht genug war und warf Munin einen gespielt schockierten Blick aus weit aufgerissenen Augen zu, so als fürchte sie tatsächlich die Rache des Riesen. Mit einem erneuten, vorsichtigen Blick auf den Schwarzen sah sie, dass das Steinchen tatsächlich noch im Fell an seinem Nacken hing. Leise prustend wandte sie den Kopf um und biss sich auf die Lefzen, brachte all ihre Energie auf, um nicht in schallendes Gelächter auszubrechen. Hilflos sah sie Munin an, während sich die Tränen in ihren Augen sammelten, bevor sie zweimal tief Luft holte und sich ganz langsam wieder beruhigte. Die Belustigung war noch immer deutlich aus ihrer Stimme zu hören, als sie sich an den Welpen wandte.
 
“Ohje…“, murmelte sie in sein Ohr und schielte nochmals zu Zethmol, prüfte, ob er ihr Spiel schon durchschaut hatte. Dabei fiel ihr Blick auch hinter ihn auf den Pfad in den Klippen, den sie nun erreicht hatten. Der Weg ging sehr viel steiler hinauf, als sie zunächst aus der Ferne angenommen hatte und die Fähe hob skeptisch den Kopf in den Nacken und verfolgte den Pfad mit den Augen. Sollten sie es wagen? Oder gab es vielleicht irgendwo am Strand einen besseren Weg? Irgendwo mussten auch die vielen Wölfe hergekommen sein, die sie am Ufer gewittert hatten. Sayu bezweifelte irgendwie, dass sie sich diesen Pfad hinab gekämpft hatten.
Doch Zethmol schien sich recht sicher zu sein. Sayu fing seinen entschlossenen Blick auf und nickte vorsichtig. Für einen Moment war sämtlicher Schalk aus ihren Augen verschwunden und sie blickte leicht besorgt hinab auf ihren Schützling. Doch sie würde ihm folgen, wenn er entschied, es mit diesem Pfad zu versuchen. Vielleicht konnten sie so zumindest noch im Hellen hinter die Klippen gelangen. Besser als ein Pfad, der sich stundenlang um unendlich viele Biegungen schlängelte. In der Nacht hätte Sayu ganz gerne Bäume um sich herum und ein geschütztes Plätzchen für Munin.
 
Zethmol begann also, sich den Klippen zu stellen und Sayu verbannte die Skepsis aus ihrem Blick, bevor sie Munin ein aufmunterndes Lächeln schenkte.
 
“Ich bin direkt hinter dir“, versicherte sie ihm und beobachtete jeden Schritt des Kleinen konzentriert.




[Zethmol und Munin | spielt mit Munin | hat leichte Skepsis über den gewählten Pfad]

Seher
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#42

Es war ein Leichtes, die Richtung des Aufbruchs zu bestimmen, denn links und rechts von ihnen befand sich lediglich die ewige Steinküste und das tosende Meer. Doch vor ihnen, da erhoben sich imposante Klippen hinter denen sich nichts, aber vielleicht auch alles verbarg. Möglicherweise war die Belohnung für einen erfolgreichen Aufstieg ein Anblick, welcher die Erinnerungen des kleinen, zweckmäßigen Rudels, auf die Sprünge helfen würde.

Askr setzte sich in Bewegung nachdem er ein paar weitere Worte mit den anderen gewechselt hatte, doch eigentlich war er mit seinen Gedanken ganz woanders – welchen Sinn hatte das alles? Warum waren sie hier?
Vor ihnen erhoben sich die Klippen immer weiter bevor sie beinahe bedrohlich aufragten und ihn zum Anhalten zwangen. Langsam ließ der dunkelgraue Rüde seinen Kopf nach links und rechts schweifen, nahm all die kleine Details auf die seine bernsteinfarbenen Augen erblickten und hielt dann plötzlich inne, als er einen schmalen Pfad zwischen den Felsen wahrnahm - von Weitem war er beinahe versteckt und fügte sich nahtlos in die Felswand ein aber jetzt von Nahmen konnte man ihn deutlich erkennen.
Es war sonderbar, ein beinahe abgeschlossener Abschnitt der Küste und doch existierte genau ein Pfad in eine andere Richtung, so als ob das Meer sie mit Absicht hier gestrandet hatte, also ob es wüsste, dass ein Weg vorwärts existierte. “Also ob es uns leiten wollte...“ murmelte Askr vor sich hin und versuchte einen Blick auf das zu erhaschen was sich hinter dem Pass befand, doch er war zu verwinkelt und man konnte nicht einmal erahnen, was die Wölfe hinter jeder Biegung erwarten würde.
Der Rüde hob die Schnauze, versuchte einen Geruch zu erhaschen der ihnen möglicherweise entgegenkam, doch der penetrante Salzgeruch des Meeres war alles was er momentan wahrnehmen konnte und auch die Sinne der anderen schienen nicht viel besser zu sein.

“Es ist doch komisch,“ begann er mehr zu sich selbst als zu seinen neuen Bekanntschaften sprechen, “wieso sollte es genau einen Pfad geben? Und wieso genau dort, wo wir uns befinden? Ein Zufall? Oder Absicht...?"
Der Pfad sah keineswegs einfach aus, und dennoch kam es Askr fast zu einfach vor – ein Pass und keine Auswahlmöglichkeit.


[Jörvi, Rodocz, Claire haben sich in Bewegung gesetzt | steuern auf Klippe zu | Askr bemerkt Pfad | denkt nach]

SchamanenRaidho
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#43
Sein Rutenangriff schien seine volle Wirkung zu entfalten. Amüsiert beobachtete der Rote, wie Tinnu schielend und mit hochgezogenen Lefzen mühselig seine Haare aus ihrem Fang kämpfte.
"Na, schmeckts?" neckte er sie während der Prozedur und ließ sich gemütlich auf den Hintern sinken.
Aber natürlich ließ die Fähe das nicht lange auf sich sitzen und teilte noch einmal ganz schön aus, bevor sie schließlich das Thema wechselte.
Ja, was war passiert? Eine Frage, die sofort wieder jede Leichtigkeit aus seinen Gedanken zu vertreiben vermochte. Er wusste es einfach nicht, aber Tinnu sagte etwas, das ihn hellhörig werden ließ.
"Wer weiß? Ich mein, wir haben beide keinerlei Erinnerungen und lagen hier zusammen im Dreck. Ist das nicht etwas viel des Zufalls?"
Was, wenn sie sich wirklich schon ewig kannten? Der Schelm blitzte wieder in seinen Augen auf.
"Vielleicht findest du meine Komplimente ja eigentlich doch gar nicht so schlecht und wir wollten vor der großen Amnesie eigentlich gerade ein eigenes Rudel gründen?!"
In seinem Zwinkern das folgte lag ein Hauch von Ernsthaftigkeit, doch sein verschmitztes Grinsen ließen kaum Zweifel daran, dass er sie bloß auf den Arm nehmen wollte.
Ohne eine Reaktion abzuwarten ließ er sie stehen und schritt weiter voran in die ursprünglich eingeschlagene Richtung. Er hatte seine Bedenken gut in Albernheiten verpackt, doch insgeheim nagte der Gedanke an ihm. Was für ein Leben hatte er zuletzt geführt? Was, wenn er wirklich eine Familie oder eine Gefährtin hatte. Oder ein Rudel? Selbst tief in seinem Inneren spürte er keinerlei Zugehörigkeit zu irgendetwas oder irgendwem. Nicht mal ein kleines, schmerzhaftes Vermissen das er bloß nicht zuordnen konnte oder dergleichen. Das Bild, das er von sich hatte entsprach mehr dem eines Weltenbumlers, aber lag er damit auch richtig?
Brütend schritt er weiter voran, als es plötzlich vernehmlich schräg über ihm zu knirschen begann. Seine Ohren zuckten und der Kopf ruckte hoch. Wie waren sie so schnell in diese zerklüftete Klippenregion gelangt?! Er drehte sich zu Tinnu um, sie hatten den offenen Steinstrand vor einigen Metern hinter sich gelassen, er war noch gut zu sehen und auch die Brandung ließ sich noch in der Ferne erahnen.
"Hast du das gehö-" wieder ein Krachen. Lauter diesmal, beinahe Ohrenbetäubend. Und von oben kommend.
Ohne aktiv darüber nachzudenken stürzte er zu Tinnu zurück und warf sich mit allem was er aufbringen konnte seitlich gegen sie. Er spürte den Aufprall schmerzlich in der Schulter, brachte sie beide aus dem Gleichgewicht und sie rollten gemeinsam zwei, drei Wolfslängen zur Seite. Sie waren noch nicht ganz zum erliegen gekommen, doch als sich sein Körper über Tinnus befand stämmte er sich mit den Hinterläufen gegen ihre gemeinsame Bewegung, stoppte sie beide und blieb dicht über Tinnu geduckt stehen.
"Unten bleiben!" seine Stimme war mehr ein tonloses flüstern und wurde von dem Getöse, welches sie auf einmal umgab nahezu verschlungen.
Steine vielen vom Himmel, kleinere und größere, schlugen neben und vor ihnen krachend auf dem harten Boden auf. Staub hüllte sie ein und die Luft wurde dick.
Sein Körper war bis zum zerreißen angespannt und er fürchtete jeden Augenblick von einem der herabfallenden Gesteinsbrocken erschlagen zu werden.
Doch sie hatten Glück, alles was ihn traf war kaum größer als seine eigenen Pfoten und so schnell wie das Unheil begonnen hatte, verschwand es auch wieder. Es wurde still um sie, alles was blieb war der Staub und eine völlig veränderte Umgabung. Dort, wo sie eben noch hergelaufen waren türmten sich riesige Gesteinsbrocken, der ursprüngliche Weg war schlicht und ergreifend nicht mehr vorhanden.
Langsam zog er sich von Tinnu herunter und schüttelte sich reichlich viel Staub aus dem Fell.
"Bist du okay?! Man war das knapp... Scheiße!"
Fassnungslos starrte er auf die Stelle, an der sie eben noch gestanden hatten.
Ganz offensichtlich war eine der Klippen weiter oben einfach herausgebrochen. Das Schlimmste war einige Meter neben ihnen eingeschlagen, doch die Ausläufer hatten die gesamte Umgebung gnadenlos verwüstet.
Sein Blick wanderte über die neuerlich entstandene Steinwüste und die verbliebenen Klippen hinauf. Er war sich nicht sicher, ob sie es wagen konnten weiter in die Richtung zu gehen, oder ob sie doch von der Steinküste einen Weg hinter die Klippen suchen sollten. Er war jedenfalls fürs erste bedient.

[Tinnu, Rand der Steinküste, versucht sich und Tinnu vor dem Steinrutsch zu schützen]
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#44
" Jaaaaaa klar.", sagte sie mit rollenden Augen und prustete belustigt. "Das Rudel des Chaos oder was?!"
Sie konnte sich nicht im geringsten vorstellen ein Rudel zu gründen, erstrecht nicht mit jemandem wie Töski. Ihr Harmoniebedürfnis mochte vielleicht hilfreich sein, um alle beisammen zu halten, doch ihre ehrliche Art und ihr Mangel an anderen Fähigkeiten sprachen nicht wirklich dafür, dass sie für irgendeine Führungsposition geeignet wäre. Und Ratatösk ebensowenig, jeder, der nicht ein bisschen locker war, würde vermutlich genausoschnell zu viel von ihm kriegen, wie von Tinnu.
"Wir wurden wohl eher aus einem Rudel vertrieben, häh?", meinte sie und lachte laut.
Sie hielt schritt mit ihm und gemeinsam folgten sie dem Weg, den sie eingeschlagen hatten. Von ihrem Gebrabbel übertönt hatte sie das erste, leise Knacken gar nicht gehört und folgte Ratatösks Blick nach oben, ohne sich groß Gedanken machen zu können. Im nächsten Augenblick brach bereits die Hölle los. Bevor die kurzen Stummelbeinchen sie irgendwo hintragen konnten, wurde sie bereits vom Körper des roten Rüden gerammt. Sie wusste überhaupt nicht wie ihr geschah, als sie durch die Gegend rollte und dann von Ratatösk aufgehalten wurde. Sie hatte noch Probleme ihre Position in Raum und Zeit irgendwie einzuordnen, als ihr Begleiter ihr ein "unten bleiben" zuzischte. Tinnu wäre überhaupt nicht auf die Idee gekommen sich irgendwie zu bewegen, so überfordert war sie mit der Situation. Irgendwie war es laut und irgendwas fiel von oben auf sie runter. Einmal direkt auf ihre Schnauze. Brach da... brach da der Fels ab, direkt über ihnen? Jap! Das war ja nicht zu fassen. Einen Augenblick beäugte Tinnu das Spektakel, dann kniff sie die brennenden Augen zu und hoffte, dass sie am Leben bleiben würden.
Erst als es still wurde machte sie sie wieder auf, erst das eine, dann das andere, just als Töski sich von ihr wegbewegte. Sie konnte ihr kleines Herz ganz kräftig in der Brust schlagen hören und spürte das Adrenalin durch ihre Adern jagen. Erst jetzt bemerkte sie ihre eigene Anspannung. Die musste irgendwo hin. Sie drehte sich zu Ratatösk um, der sie gerade irgendwas gefragt hatte und vollkommen fassungslos aussah. Und plötzlich geschah es. Wie aus dem nichts war es erst ein heiseres, kehliges Glucksen, dass sich wie eine Naturgewalt zu einem lauten Lachen ausdehnte. Mit Tränen in den Augen schmiss sie sich auf die Seite und Lachte sich das Adrenalin aus dem Körper, während sie sich auf dem Rücken herumwälzte.
"MAN!", schrie sie heiser zwischen ihrem Lachen. "Ist das zu phahahaha .... zu fassen?!"
Sie atmete gedehnt und laut aus, als sie sich nach ein paar Sekunden wieder beruhigen wollte. Angestrengt um nicht erneut loszuprusten biss sie sich auf die Lefze und blinzelte ihren Begleiter mit vor Staub trockenen Augen breit grinsend an.
"WOW!", rief sie nochmal aus und sprang dabei auf. "Dachtest dir, wenn das mit den Komplimenten nicht gezogen hat, inszenierst du noch eine kleine Show für mich, in der du den Helden spielen kannst, häh?!"
Noch einmal lachte sie und rempelte den Rüden leicht an der Schulter an. Sie grinste noch immer breit, aber aus der Nähe, die kurzzeitig zwischen ihnen entstand, konnte man auch ihre Dankbarkeit erkennen. Dann war der Augenblick jedoch auch schon wieder vorbei. Sie checkte in vollkommen lächerlicher Manier ihren Körper durch - schüttelte jedes Bein einzeln und blickte es dabei in seltsam verrenktem Winkel an - ehe sie Töski wieder einen grinsenden Blick zuwarf.
"Bin in Ordnung, duuuu... großer Retter.", flachste sie. " Bei dir auch?"
Sie musterte ihn prüfend, konnte aber auf den ersten Blick keine Verletzungen erkennen. Dann sah sie wieder zu der Abbruchstelle. Dort, wo sie eben noch gestanden hatten, lag nun ein riesiger Berg von Schutt, der ihnen mehr als deutlich das Durchkommen verbot. Bei all ihrer Komik war Tinnu durchaus klar, dass sie hier wohl erstmal nicht weitergehen sollten. Niemand konnte ihnen versprechen, dass sie bei einem zweiten Absturz noch einmal so glimpflich davonkommen würden. Sie plante bereits vorzuschlagen den anderen Wölfen in gehörigem Abstand zu folgen, doch ihr Fang blieb ungewöhnlich lang verschlossen. Das verriet wohl, dass sie die Situation zwar ganz gut weggesteckt hatte, ihr der Schock jedoch trotzdem tief in den Knochen saß.

{ Ratatösk | Rand der Steinküste | wird gerettet und dreht ein bisschen durch }
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#45
Das Spiel mit Sayu brachte den kleinen Wolf auf andere Gedanken. Die Verwirrung verschwand allmählich und machte der einstigen Sicherheit Platz, die er in einem anderen Leben in sich getragen hatte. Auch wenn er immer noch gerne wissen wollte, woher er kam und wie er hierher gelangt war, war er doch froh, dass er Sayu und den schwarzen Riesen gefunden hatte. Na ja, eigentlich hatten sie ja ihn gefunden - aber das war ja egal. Sayu gab sich wirklich Mühe Munin abzulenken und der kleine Rüde mochte sie schon jetzt sehr gerne. Er war nicht ihr Welpe, jedenfalls glaubte er dass es nicht so war und trotzdem fühlte er eine Verbundenheit zu ihr und dem Rüden vor ihnen. Zethmol war verschwiegen und mysteriös, doch er war freundlich und würde ganz sicher gut auf ihn und Sayu aufpassen. Freudig tapsend würde er den beiden Wölfen bis ans Ende dieser Welt folgen, auch wenn der Weg sich um einiges schwieriger gestalten sollte als er zunächst angenommen hatte. Durch seine Höhe konnte er durch die Beine des Riesen vor ihnen sehen und hatte die steile Erhöhung des Pfades deutlich gesehen, wodurch sich Skepsis in ihm breit machte. 

Sayu balancierte auf drei Beinen während sie versuchte den nächsten Kiesel in die Richtung des Schwarzen zu befördern, doch bei dem Schwung verlor sie das Gleichgewicht und geriet ins Straucheln. Etwas erschrocken hielt Munin die Luft an und blieb für einen Moment wie erstarrt stehen, während er den Stein dabei beobachtete, wie er Zethmol im Nacken traf und dort verweilte. In der Zwischenzeit hatte sich Sayu wieder aufgefangen und blickte ebenso hilflos wie Munin drein, wissend dass sie beide nichts ändern konnten. Die schwarze Fähe wollte in schallendes Gelächter ausbrechen, doch sie hielt sich gekonnt zurück um sich nicht zu verraten und auch Munin tänzelte vor Anstrengung nicht zu lachen auf einer Stelle, während er dabei zu Sayu hinauf sah. Plötzlich aber änderte sich die Stimmung als Zethmol stehen blieb und zu ihnen nach hinten blickte und Munin spürte, dass das was folgen würde, nicht so einfach werden würde. Das Lachen verschwand aus dem Gesicht des Welpen als er erneut zu dem Pfad sah, etwas hilflos blickte er sich um, in der Hoffnung einen besseren Weg zu finden, doch er wusste, dass es keinen anderen Weg geben würde. 

Die Zuversicht der Fähe gab ihm jedoch wieder Sicherheit, wodurch er einmal tief Luft holte und den beiden Wölfen mitzuhalten versuchte. Die kleinen Steine unter seinen Pfoten ließen ihn jedoch vermehrt das Gleichgewicht verlieren und trotz der niedrigen Temperaturen heizte sich sein kleiner Körper durch die Anstrengung so auf, dass er zu hecheln begann. Doch er würde nicht aufgeben, fest entschlossen den beiden keine allzu große Last zu werden, hielt er sich tapfer und heftete sich mit allem was er hatte an die Fersen der zwei schwarzen Wölfe, um nicht zurückzufallen. Es würde sicherlich noch schwerer werden, doch das hier war immer noch viel besser als alleine unten am Strand zu liegen und nicht zu wissen was er tun sollte. 


[bei Sayu & Zethmol l beobachtet l zweifelt l folgt tapfer]

ElhazWächter
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#46
Etwas pochte in seinem Nacken und begann dann unangenehm zu kribbeln. Irritiert blickte Zethmol nach oben, um zu prüfen, ob ihm ein Kiesel auf den Nacken gefallen war, doch über ihm lauerten noch keine Klippen. Er schüttelte sich kräftig und damit flog der Stein im hohen Bogen aus seinem Pelz. Er hatte noch immer keine Ahnung von dem Spiel der beiden Wölfe. Sayus staucheln war durch das Kribbeln in seinem Nacken unbemerkt geblieben.
Sein Blick zurück schien ein freudiges Grinsen aus den Gesichtern seiner beiden Gefährten zu wischen. Etwas irritiert legte sich kurz die Stirn des Hünen kraus, ehe er seinen Weg fortzusetzen begann. Im Abwenden huschte auch ein kurzes Lächeln über seine Lefzen - schön, dass Sayu und Munin ihre Reise mit Humor nahmen. Das war ziemlich viel wert. Vielleicht kam es den beiden nun vor, als wäre Zethmol auf den Kopf gefallen. Hätte er nicht eigentlich bemerken müssen, dass sie ein Spiel mit ihm spielten? Vielleicht, doch die Gedanken des Schwarzen lagen noch immer anderswo und er vermutete einfach nicht, dass die beiden schon jetzt so heiter miteinander umgingen.

Er blickte im Gehen kurz nach hinten und stellte mit Sorge fest, das Munin bereits am Hecheln war. Wenn er schon jetzt Probleme hatte, würden sie den Weg nicht in eins schaffen. Sie würden Pausen machen müssen, aber damit mussten sie wohl leben. Keine Eile der Welt war das Leben dieses Welpen wert und er würde es nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Seine volle Aufmerksamkeit richtete sich nach vorn und er konnte einen Teil des Pfades erkennen, der kurz etwas breiter wurde, ehe er dann noch steiler als zuvor in die Höhe stieg. Dort würden sie eine kurze Rast einlegen.
Wieder wollte er seinen Kopf zu den beiden Wölfen hinter ihm wenden, als sein rechter Vorderlauf am Rand der Klippe einen Stein lostrat. Ohne Warnung fiel er hinab und brachte Zethmol einen Augenblick aus dem Gleichgewicht. Gerade noch so konnte er sein Gewicht abfangen, bevor der Hüne drohte über die Abbruchkante zu rutschen. Das Klacken des fallenden Steines, der hier und da an der steilen Klippe abprallte, ertönte noch für einige Sekunden, ehe er in Totenstille verklang. Hörbar sog Zethmol die Luft ein, während er mit starrem Blick hinunter sah und um Fassung rang. Das hätte verdammt übel ausgehen können...
"Vorsicht", sagte er mit belegter Stimme und sein ernster Blick glitt zu Sayu und Munin. Dann blickte er wieder nach vorn und deutete mit dem Kopf auf die etwas breitere Stelle. "Wir machen dort eine Pause."
Seine Ankündigung wurde von einer leicht zittrigen Stimme zu ihnen getragen. Auch seine Läufe schwankten noch einen Augenblick, ehe er sich wieder in Bewegung setzte und mit dem Leib dicht an die sichere Felswand gepresst den Weg fortsetzte. Für ihn war die breitere Stelle nicht groß genug, um sich hinzulegen, doch Sayu und Munin würden hier kurz verschnaufen können und sich sogar hinlegen. Wenn alle Stricke rissen, konnten sie hier auch eine längere Zeit verbringen, denn der Pfad, den sie beschritten, war etwas besser vor den Witterungen geschützt.
Die letzten Meter erforderten noch ein bisschen Anstrengung und ein großer Absatz zwischen zwei Felsbrocken musste überwunden werden. Für Zethmol ein kleiner Sprung, für Munin... unüberwindbar? Zethmol wollte sich umdrehen, um den Welpen am Nackenfell zu packen und ihn vorsichtig hochziehen zu können, doch der Pfad war einfach zu schmal für ihn. Er konnte sich einfach nicht umdrehen, ohne zu riskieren die Klippe hinunter zu rutschen. Mit unterdrückter Panik in den Augen, weil jetzt nur noch der Weg nach vorn eine Option war, suchte er nach Sayus Blick.
"Du musst ihn schieben."
Etwas anderes blieb ihnen nicht, Zeth konnte den beiden nicht helfen und hoffte inständig, dass sie es auch ohne ihn schaffen würden - und dass sie nicht am Ende vor einer Sackgasse stünden und der Hüne nie wieder von der Klippe herunter kam. Vielleicht konnte er es noch dort, an der Stelle wo sie rasten würden schaffen sich umzudrehen, aber für den Rest des Weges sah es schlecht aus...

{ Sayu & Munin | merkt immer noch nichts von dem Spiel, rutscht fast ab und findet einen Ort um Pause zu machen }

IsaWächter
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#47
Als Zethmols Kopf verwirrt nach oben blickte, konnte sich Sayu kaum mehr halten. Sie drückte ihre Nase in Munins Fell und atmete zitternd hinein, Schloss kurz die Augen und riss sich mit aller Macht zusammen, bevor sie sich wieder einigermaßen im Griff hatte und ein Stück zurückwich. Das Lachen in den Augen des Welpen ließ sie fast schon wieder brechen, doch sie beherrschte sich. Es war so schön, den Kleinen so zu sehen.
Doch Sayu sah auch die Anstrengung in dem jungen Gesicht, die schnelle Atmung und das leichte Hecheln. Dieser Aufstieg würde ihnen einiges abverlangen. Auch Munin hatte das bemerkt. Ihr Spiel würden sie besser auf später verschieben.
 
“Fortsetzung folgt, würde ich sagen. Nun lass uns erst mal unsere Hintern da rauf schaffen.“
 
Sie blickte die Klippen hinauf und heftete die Augen auf Zethmols kräftige Gestalt. Auch ihm war nicht entgangen, dass Munin bereits außer Atem war. Sayu beobachtete seine Bewegungen, um daran abzulesen, wo es für Munin trittsicher war. Hin und wieder schob sie ihn sanft in die richtige Richtung oder gab ihm einen leichten Schub nach vorne, wenn der Weg steiler wurde.
 
Zethmols Gestalt vor ihnen verschob sich. Sayu hätte es beinahe übersehen, der Rüde kam irgendwie aus dem Gleichgewicht, doch erst das klackernde Geräusch fallender Steinchen ließ sie begreifen. Sie hielt die Luft an und hielt mitten in der Bewegung inne, stand starr da mit klopfendem Herzen und beobachtete, wie der Rüde ins Straucheln kam. Sie konnte nichts tun.
Keuchend stieß sie die Luft aus, als Zethmol sich wieder fing und Sayu senkte den Kopf hinab, schob ihn zwischen Munin und den Abhang, während sie den Hünen von unten mit wild pochendem Herzen ansah. Sein Blick spiegelte ihren Schrecken wider und auch seine Stimme verriet, wie sehr ihn dieser Moment schockiert hatte. Sayu drückte den Kopf noch etwas fester gegen den Welpen, schob ihn so weit er ging rüber zur sicheren Felswand.
 
Langsam kam wieder Bewegung in den Rüden, Sayu entgingen die leicht zitternden Läufe nicht und auch sie selbst fühlte sich zunehmend wacklig auf den Beinen. Im Gänsemarsch ging sie dicht hinter Munin her, ließ ihn dicht an der Felswand entlang gehen. Stellenweise war es so eng, dass sie nur noch sein Becken erreichen konnte, weil ihre Pfoten nicht mehr neben seinen Platz hatten. Das Wort Pause war wie Musik in ihren Ohren, doch erst einmal mussten sie es bis dorthin schaffen. Zethmol sprang ein Stückchen hinauf und Sayu hob den Kopf, nachdem sie Munin vor sich sitzend gesichert hatte. Der Schwarze hatte eine etwas breiter Stelle ein Stück über ihnen erreicht und versuchte gerade sich zu ihnen umzudrehen.
Sayu wollte ihm eine Warnung zurufen, doch Zethmol merkte schnell selbst, dass die Stelle zu schmal für eine Wendung war. Ein wenig ratlos blickte sie von Munin hinauf zu dem Felsvorsprung und sammelte sich einen Moment lang, bevor Zethmols Blick sie traf. Sie lauschte seinen Worten und nickte schnell, sehr viel entschlossener, als sie sich fühlte.
 
“Mach ich. Keine Sorge, wir schaffen das schon“, verkündete sie und schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln, bevor sie sich die Gegebenheiten näher besah. Für sie selbst wäre das nur ein kräftiger Sprung, doch Munin war mit seinen zwei Monaten zu schwer für die Fähe, um ihn am Nackenfell mit hinauf zu bringen. Schieben war also eine gute Idee. Sayu beugte sich zu Munin hinab.
 
“Okay Kleiner, wir spielen wohl ein neues Spiel: Nennen wir es… Balanceakt zwischen Sayus Kopf und der Felswand. Ja, ich weiß, Wütender Riese ist das bessere Spiel, aber was solls. Probieren wir es.“
 
Sie zwinkerte ihm zu und hoffte, dass er ihr die Unbeschwertheit zumindest ein wenig abkaufte. Zumindest hatte sie das Zittern aus ihrer Stimme halten können. Mit aufmerksamem Blick schätzte Sayu die Aufgabe ein, die vor ihnen lag. Der Felsen, auf dem Zethmol stand, hatte einen leichten Überhang zu dem, auf dem Munin und sie selbst waren. Einfach hochschieben war es nun also doch nicht. Aber wie sie dem Kleinen schon gesagt hatte, sie würde ihn einfach zwischen ihrem Kopf und der Felswand einklemmen und so langsam nach oben schieben. Zwischen den Felsen war eine kleine Spalte, die schräg abfallend in eine tiefe Schlucht führte. Diese würde sie einfach überwinden, indem sie ihren Körper hinaufstreckte.
 
Ein Ruck ging durch ihren Körper und nachdem sie Munin die Einzelheiten erklärt hatte, schob sie den kleinen Rüden an die Felswand. Kleine herausstehende Steinchen halfen ihm dabei, etwas Halt zu finden, während Sayu den Großteil seines Gewichts hinaufstemmte, indem sie langsam den Kopf anhob. Als sie ihn bereits in Schulterhöhe gehoben hatte, hob sie langsam die Pfote, die der Felswand am nächsten war und stellte sie auf dem Trittstein ab, den sie sich vorher ausgesucht hatte, um noch etwas an Höhe zu gewinnen. Die andere Pfote musste sie jenseits der kleinen Schlucht gegen den Felsen stemmen, den sie gerade zu erklimmen versuchten. Sayu biss die Zähne zusammen und schielte hinauf.
 
“Munin, mach dich so flach wie möglich und drück dich feste an die Felswand. Das wird jetzt etwas wackelig.“
 
Sie spürte die Bewegung auf Kopf und Nacken und wartete angespannt darauf, dass der Welpe seine Lage korrigiert hatte und Ruhe gab. Dann drückte sie sich mit einer Pfote an der Felswand entlang nach oben, hob die andere an und stützte sie schräg vor sich an dem Felsen ab nach oben. Dabei entstand kurz eine Lücke zwischen der sicheren Felswand und ihrem Kopf, was Munin ein erschrockenes Winseln entlockte, doch sie drückte ihr Gewicht sofort wieder gegen ihn. Keuchend fing sie sich wieder und schob Munin das letzte Stück hinauf, bis er endlich den Felsen erreichen konnte. Ihr Nacken brannte bereits und sie stöhnte erleichtert auf, als das Gewicht endlich von ihr wich. Mit einem kräftigen Ruck stieß sie sich nun selbst ab und sprang hinauf zu Munin und Zethmol. Ein fast hysterichtes Lachen kam aus ihrem Maul, als sie mit zitternden Beinen oben bei den beiden angekommen war. Sie ließ sich fallen und drehte langsam ihren beanspruchten Nacken von einer Seite zur anderen, während sie an Zethmols Rücken vorbei dem Pfad nach oben mit den Augen folgte.
 
“An den Anblick werde ich mich wohl gewöhnen müssen,“, scherzte sie mit einem Blick auf Hintern und Rute des Rüden. Der Pfad würde wohl nicht schmaler werden und der Hüne hatte keine Chance, sich umzudrehen. So langsam dämmerte es Sayu, dass sie vielleicht einen Weg ohne Notausgang beschritten hatten.
 
 
[Zethmol und Munin | folgt Zethmol | hilft Munin auf den Felsen | macht mit den beiden Pause]

Seher
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#48
Das Spiel war genauso schnell vorbei wie es angefangen hatte. Der Weg vor ihnen würde alles andere als einfach werden, weshalb sich Munin darauf einstellte, dass er tun musste, was die Erwachsenen ihm sagen würden. Die Situation geriet ins Schwanken als der schwarze Rüde vor ihnen ins straucheln kam und das Gleichgewicht verlor. Zuerst erkannte Munin nicht warum, dann hörte er aber das charakteristische Aufschlagen einiger Steine, die den Abhang hinab fielen. Das Herz des kleinen Rüden begann schneller zu schlagen und wieder hielt er die Luft an, um abzuschätzen, dass es Zethmol gut ging. Doch dem Rüden schien es bis auf den Schrecken gut zu gehen, ohne ihn würden Sayu und er ihren Beschützer verlieren. 


Nach dem kurzen Moment voller Schrecken, begann sich die Gruppe wieder in Bewegung zu setzen und wie er schon geahnt hatte, wurde der Weg immer beschwerlicher. Der Welpe wurde ängstlich, die Schluchten waren tief und ein Sturz würde er nicht überleben - keiner von ihnen. Die beiden Erwachsenen begannen miteinander zu sprechen und trotz der Anstrengung lauschte er den beiden, um eine eventuelle Idee nicht zu verpassen. Es war die Fähe, die ihren Kopf senkte und ihn zu einem erneuten Spiel überreden wollte, welches ihm jedoch überhaupt nicht gefiel.


”Mir gefällt dieses Spiel nicht, Sayu” gab er kleinlaut zu und machte sich ganz klein. Leider sah er aber auch, dass er keine große Wahl hatte, weshalb er keinen Aufstand machen würde und stattdessen doch nur nickte. 


So gut er konnte versuchte er einen Blick nach unten zu vermeiden, um seine Angst nicht noch zu vergrößern. Der Balanceakt war für die beiden Wölfe schon schwer genug, nun mussten sie auch noch auf ihn aufpassen, also war es seine Aufgabe dafür zu sorgen, dass er nicht zu einer noch größeren Last wurde. Wie von Sayu befohlen begann er sich so gut er konnte gegen die Felswand zu pressen, hielt sich dabei wacker gegen Sayus Kopf gedrückt, bis er den Abstand von ihrem Nacken und ihrem Kopf aus erreichen konnte. Sein Herz schlug schnell in seiner Brust und die Angst saß ihm in den Knochen, trotzdem blieb er so mutig er konnte und überwindete seine Angst, um Sayu den Aufstieg schließlich zu erleichtern. 


Nach dem sie den Vorsprung erreicht hatten und eine Pause machen konnten, legte sich Munin auf den Boden und starrte auf seine Pfoten. Sie zitterten leicht, er hechelte und brauchte einen Moment, bis seine Beine aufhören würden so weich zu sein. Aufmuntert sah er zu Zethmol und Sayu ”Ihr beide seid so mutig”
 


Bei Sayu & Zethmol l hat Angst l folgt Sayu’s Anweisungen l beobachtet die beiden

ElhazWächter
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#49
Sayu spielte die Tapfere. Zethmol erkannte, dass sie, genau wie er, ob ihrer Wanderung mittlerweile ziemlich nervös war und er konnte es ihr absolut nicht verübeln. Er hoffte inständig, dass sich seine Entscheidung gelohnt hatte und sie wirklich an einem hohen Punkt herauskamen, von dem aus sie sich den besten Überblick machen konnten. Falls sie überhaupt irgendwo herauskommen würden... Wenn sie wirklich in einer Sackgasse steckten, hatte er versagt. Schwer vorzustellen, für den sonst so gut überlegten Wolf. Konnte er das einfach auf die Gesamtsituation schieben? Auf die Kopfschmerzen und die allgemeine Verwirrung? In einer anderen Situation hätte er vielleicht nicht so eine riskante Entscheidung getroffen, den sicheren, statt den schnelleren Weg gewählt.
Zethmol riss sich am Riemen und wandte den Blick wieder über die Schulter zurück zu der gespielt entschlossenen Fähe, die sich daran machte den Welpen irgendwie den Fels hinauf zu bekommen. Wie versteinert beobachtete er das Geschehen. Hin und wieder zuckte der ein oder andere Muskel, weil er sich so gern umgedreht und ihnen geholfen hätte, doch es ging einfach nicht. Sie mussten es allein schaffen und nachdem eine gefühlte Ewigkeit vergangen war, befand sich Munin endlich oberhalb des Felsens. Mit einem Satz sprang Sayu nach und dehnte ihren schmerzenden Nacken. Mitleidig blickte Zethmol sie an, suchte entschuldigend ihren Blick, während Munin an ihm vorbei tapste und sich an die breitere Stelle legte. Zitternd und hechelnd lobte er die beiden Erwachsenen und preiste ihren Mut. Zethmol überlegte, ob er sich tatsächlich mutig fühlte und erwiderte nichts.
Mit ein paar Schritten begab auch er sich zu der breiteren Stelle auf ihrem Pfad und setzte sich hin. Die Hinterläufe schmerzten ihm noch von der Anstrenung des nervösen Zitterns und er leckte sich über die trockenen Lefzen. Sitzend schaffte er es in kleinen Schritten sich so weit umzudrehen, dass er sich nicht den Nacken verrenken musste, um seine Weggefährten anzusehen. Dabei lagen seine Vorderpfoten bereits bedenklich nahe am Abgrund und er wagte es kaum zu ihnen hinunter zu blicken, denn dort ging es so steil hinunter, dass er nicht einmal mehr die Felswand sehen konnte, auf der sie standen. Schnell wandte er schluckend den Kopf ab und blickte wieder zu Sayu und Munin, sich ihres Wohlergehens vergewissernd. Er brachte jedoch kein einziges Wort heraus, auch wenn eine Aufmunterung jetzt mit Sicherheit angebracht wäre. Seine Kehle war so staubtrocken, dass er das Gefühl hatte sie würde sich langsam dem kargen Fels anpassen.
Stumm fragte er sich, wie viel Zeit sie nun ihr verbringen würden. Er würde sie nicht hetzen, denn für ihren weiteren Weg war es entscheidend, ob sie ausgeruht genug waren oder nicht. Zur Not würden sie hier schlafen - zumindest Sayu und Munin, während Zethmol Wache hielt - und erst weitergehen, wenn sie sich vollständig erholt hatten. Leise Sorge beschlich Zethmol, dass sie bald etwas zu Essen brauchen würden, um bei Kräften zu bleiben. Hier in dieser Umgebung würden sie jedoch weder etwas finden, noch etwas jagen können. Vielleicht sollten sie sich doch nicht allzuviel Zeit lassen...

{ Sayu & Munin | beobachtet die beiden, setzt sich auf die breite Stelle und schweigt }

IsaWächter
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#50
Sayus Läufe pochten und zitterten ein wenig, das kühle Gestein unter ihr fühlte sich fest und stabil an, trotzdem hatte die Fähe ein flaues Gefühl im Magen. Dennoch robbte sie ein Stück zum Rand und spähte hinunter, spürte einen Luftzug unter sich an der Felswand hinauf schnellen, der alles in die Tiefe reißen würde, was sich zu nahe an den Abgrund begab. Trotzdem war der Ausblick von hier oben atemberaubend. Sayu legte den Kopf auf die Vorderpfoten und lugte hinab, ließ den Blick einen Moment lang nach unten über die beeindruckenden Abhänge schweifen. In der Ferne und weit unter ihnen konnte sie immer noch das Meer erblicken, der leicht salzige Geruch lag noch immer in der Luft, auch wenn sie ihn schon fast ausgeblendet hatte. Vielleicht war sie einfach daran gewöhnt, dass er ihr ständiger Begleiter war. So musste es ja fasst sein, denn was auch immer sie dazu gebracht hatte, ihr Gedächtnis zu verlieren, Sayu hielt es für unwahrscheinlich, dass sie zusätzlich nun an einem völlig fremden Ort waren. Nein, dieser Ort war ihre Heimat, auch wenn sie sie völlig neu entdecken musste. Und darum lag hinter diesem halsbrecherischen Aufstieg auch ein Ziel. Ein gutes, sicheres Ziel.

Ihr Blick hob sich ein Stück weit vom Abgrund an und blieb schließlich auf Munin liegen, der verkündete, wie mutig sie beide waren. Ihr Blick wurde weich und sie lächelte dem jungen Rüden zu.

“Du bist mindestens ebenso mutig, Munin. Schließlich sitzt du hier bei uns. Und außerdem…“

Sie zwinkerte ihm zu und kroch etwas näher zu ihm, um in sein flauschiges Ohr flüstern zu können.

“… hast du es mit dem `wütenden Riesen´ aufgenommen, stimmts?“

Verschwörerisch sah sie ihn an und kniff spielerisch in sein Ohr, um ihn ein wenig von den Torturen abzulenken, die sie hinter sich hatten, bevor sie zu Zethmol aufsah und die Augen besorgt ein wenig zusammenkniff. Trotz ihrer Versuche, Humor in die Runde zu werfen und der Anspielungen auf sein Hinterteil, welches sie nun wohl den Rest des Weges lang im Blickfeld haben würde, weil der Koloss sich hier unmöglich umdrehen konnte, war er noch immer verstummt.
Sayu rollte ein Stück von Munin weg und setzte sich auf, legte leicht den Kopf schief, als sie den Rüden betrachtete.

“Alles in Ordnung, Zethmol?“, fragte sie ihn und schob sich so weit in sein Blickfeld, wie der wenige Platz es zuließ, sodass er sie dieses Mal nicht übersehen konnte. Besorgt musterte sie ihn, ließ den Blick an seinem Körper entlangwandern und suchte nach Verletzungen, die der Rüde vielleicht auf dem Weg davongetragen hatte. Über Munins Zustand war sie die ganze Zeit lang informiert gewesen, doch der Hüne war mit seiner schweigsamen Aura vorangeschritten, keine Einblicke in seinen Zustand erlaubend. Dabei war gerade jetzt Zusammenhalt wichtig. Und dazu gehörte auch, seine Gedanken mit ihnen zu teilen. Mit wem auch sonst? Sie waren allein, weit und breit.


[Munin und Zethmol | Antwortet Munin, spricht Zethmol an]

Seher
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